Rheinische Post
Grenzland - Kurier
Peter Radok ist die Koryphäe der PC-Senioren
NETTETAL. Wenn Peter Radok seinen Bekannten in den Vereinigten Staaten schreibt,
macht er das nachts. Zwischen eins und fünf. "Dann ist es am
allerwohlfeilsten"·, sagt er. Das hört sich ein bißchen
altmodisch an, aber altmodisch ist Peter Radok bestimmt nicht. Altmodisch
sind vielleicht Leute, die ihre Briefe mit der herkömmlichen Post
verschicken. "Snail mail" nennen Computerfreaks wie Radok das - Schnekkenpost.
Seine Nachricht ist nach fünf Minuten in Amerika. und genauso schnell
kommt die Antwort zurück. "Ich verkehre mit all meinen Bekannten nur
noch per E-mail." sagt Radok.
Meistens geht es in seiner elektronischen Post um Programme, früher
auch um Computerspiele. "Die hab ich jetzt alle rausgeschmissen, weil ich
keinen Platz mehr hatte", erklärt er. Die wenigsten Leute. mit denen
er korrespondiert, kennt er persönlich.
Manche, mit denen er via Modem und Weltweitem Computernetz kommuniziert hat, waren Kinder, elf, zwölf Jahre alt. Nein. sagt Radok. die hätten sein Alter nicht gekannt. Peter Radok ijt 83.
Es gebe ein französisches Sprichwort, erzählt er. Das bedeute
übersetzt: "Am Ende wird alles langnweilig. außer etwas neues
hinzuzulernen."
Peter Radok, Diplom-Ingenieur aus Süchteln - Dornbusch. ist ältestes
Mitglied der Senior-Computer-Freunde Nettetal - und wahrscheinlich auch ihr
versiertestes.
"Unsere Koryphäe" nennt Ernst Cremers ihn. "Ich habe seit 20 Jahren mit Elektronik zu tun," erklärt Radok. Insofern habe er die ganze Entwicklung der Computertechnik ziemlich von Anfang an miterlebt. Daß die anderen Mitglieder allein von ihm profitierten. nicht aber er von ihnen, bestreitet er. "Man kann auch von Leuten lernen. die überhaupt nichts Wissen. Weil sie Fragen stellen. die mir noch gar nicht eingefallen sind."
Mit dem Fahrrad unterwegs
Zu den monatlichen Treffen der Computer-Freunde kommt Radok mit dem Fahrrad.
Sechs Kilometer hin, sechs Kilometer zurück. "Das Fahrrad ist uralt,
der Motor neu."
Der Motor - sein Körper. "Kommen Sie mal mit" sagt er und geht in den
Flur, wo sonst niemand ist.
Zuerst sieht es so aus, als wolle Peter Radok sich die Schnürsenkel
zubinden, doch geht er plötzlich in den Spagat, drückt die 83 Jahre
alten Knie durch und federt zwei - dreimal auf und ab. "Im Geheimen", sagt
Radok. S.H.

PC-Senioren unter sich: Peter Radock (links) im
Fachgespräch vertieft mit dem Brüggener Paul Houba