Rheinische Post

Grenzland - Kurier


Samstag. 26. Okober 1996


Elisabeth Grüter ist eine von drei Frauen im Nettetaler Senioren PC-Club. Im Kreis ihrer meist männlichen Club-Freunde fühlt sie sich wohl, weil sie ernst genommen wird.

DIE REPORTAGE: Seit Februar gibt es in Nettetal einen Computerclub für Senioren

Noch keinen Führerschein, aber schon einen Porsche im Haus

Von STEPHAN HERMANNS

NETTETAL. Elisabeth Grüter ist eine Frau so ganz nach dem Geschmack von Ernst Cremers. "Null Ahnung" sagt sie", habe sie von Computern. Doch statt deshalb nun in kleinlauter Büßerhaltung zu verharren, hat sie gleich ordentlich zugeschlagen. Sie hat sich, wie Cremers sagt, "kein kleines PClein gekauft, sondern einen Porsche. einen Schinken mit allem Pi-Pa-Po." Genau seine Denkungsart, sagt er. Daher hat Cremers Elisabeth Grüter heute eine Rose mitgebracht. "Die Frau hat einfach Mut."

Verein voller Fahrlehrer

Elisabeth Grüter. 63 Jahre alt, ist schon fast so etwas wie Cremers ganz besonderer Stolz. weil sie nicht nur Rentnerin ist. sondern auch Frau, was sie nach herrschender Meinung gleich doppelt benachteiligt für den Umgang mit Computern. "Den Führerschein muß ich mir erst noch erarbeiten", sagt die 63 jährige. Vorerst fährt sie nur auf dem Übungsplatz Doch "Sie wird keine Probleme haben", sagt Cremers, "weil sie uns hat." Einen ganzen Verein voller Fahrlehrer.

Cremers, 74 Jahre alt, propagiert das neue Selbstbewußtsein der Alten, weil er gar nicht einsieht, daß Leute seiner Generation sich bei Computern ängstlich zurückhalten sollten. Im Februar hat er die "Senior-Computer-Freunde Nettetal" gegründet, und seitdem ist der Club auf gut 30 Mitglieder gewachsen. Drei davon sind Frauen, was Cremers anscheinend so sehr freut, daß er es gleich mehrmals erwähnt. Auch heute sind schon wieder drei neue Interessenten gekommen. Einer von ihnen besitzt noch nicht mal einen Computer. Aber wahrscheinlich wird es nicht lange dauern,  bis Cremers ihn zur Seite nimmt und fragt, ob er sich das mit dem Porsche nicht überlegen wolle.

Jeden dritten Montag im Monatl nachmittags um drei, wenn nur Rentner Zeit haben, treffen sich die Computer-Freunde im Pfarrzentrum Brücke in Lobberich. Das Ganze ist keine Theorieveranstaltung mit monologisierenden Experten. sondern orientiert sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Anwender. Die Mitglieder sitzen bei Kaffee und P1ätzchen zusammen und tauschen einfach ihre Erfahrungen untereinander aus

Wer Probleme hat, dem wird geholfen. "Das geht schneller, als wenn ich in der Fachliteratur erst lange suchen muß", sagt Elisabeth Grüter.

Seit das Fernsehen über die Nettetaler Computerfreunde berichtet hat, bekommt Cremers Post aus ganz Deutschland. Auch Elisabeth Grüter hat die Sendung gesehen. Reiner Zufall war das.,,Ich traute meinen Augen nicht", sagt sie. Sie hatte immer schon in die Materie einsteigen wollen, bislang aber nicht den richtigen Zugang gefunden. Bei ihrem ersten Besuch hat Elisabeth Grüter dann vor lauter Rams und Gigabytes gedacht, sie sei in einem afrikanischen Club gelandet, in dem Kisuaheli gesprochen werde. "Spaßig war das schon, weil ich von nichts was verstand."

Eine Schnapsidee

Das mit den Computerfreunden, sagt Cremers, sei "eine Schnapsidee'' gewesen. Angefangen hat alles mit seinem Nachbarn Toni Pollen. Der klagte über sein Rentnerdasein. Ob der Kopf nur noch zum Haareschneiden da sei. "Das Kreuzworträtseln hängt mir zum Hals raus." Cremers riet ihm. für 3000 Mark einen Computer zu kaufen. Doch Pollen konnte sich für die Idee ganz und gar nicht begeistern Zunächst jedenfalls nicht.



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