GRENZLAND-NACHRICHTEN            Nettetal               Donnerstag, 18.April 1996


Der Club der "PC-Freunde Nettetal" erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Nach anfangs sechs Mitgliedern ist die Zahl der Computerfreaks beim dritten Treffen mittlerweile auf zehn angewachsen. Von links: Dieter Alten, Konrad Achtert und Initiator Ernst Cremers.

Um 3 Uhr Nachts wird im Internet "gesurft"

Senioren gründeten in Nettetal Club der PC-Freunde

Grenzland. Wer der munteren Männerrunde am Montagnachmittag im Cafe Seeger in Lobberich zugehört hat, traute seinen Augen und Ohren nicht. Zehn gestandene Herren im Alter von 61 bis 82 Jahren fachsimpelten hier nicht über den nächsten Kegelabend oder den Jahresausflug des Heimatvereins, sondern Termini wie E-Mail, Internet, MB, RAM, 14"- oder l7"-Monitore machten hier die Runde. Versammelt hatten sich die Mitglieder der "Senioren PC-Freunde Nettetal", die im Februar diesen Jahres von Ernst Cremers ins Leben gerufen wurden und sich seitdem regelmäßig einmal im Monat treffen.

"Nach dem ersten Treffen sind wir alle mit einem vor Begeisterung hochrotem Kopf nach Hause gegangen", schildert Ernst Cremers seiner Erfahrungen mit den PC-Freunden,

die sich zunehmender Beliebtheit erfreuen. Beim ersten Treffen waren es "nur" sechs Computerfreaks, mittlerweile ist die Zahl der Teilnehmer schon auf elf angewachsen. Demnächst wird man aus Platzgründen vom Cafe Seeger in das neue Lobbericher Pfarrheim ,,Brücke" ausweichen, wo die PC-Freunde ihr Wissen auch am Computer der Bibliothek in die Praxis umsetzen können.

Ihm sei es nicht nur um den PC gegangen, betont Ernst Cremers, sondern vielmehr darum, Senioren zu finden, die sich auch im Rentenalter noch nicht abgeschrieben haben und kreativ geblieben sind. "Die Frage, was wir morgen machen, ist fur uns kein Thema mehr. Wir sind geistig rege geblieben", freut sich der Initiator der Runde, der die EDV-Technik für sein ,,Steckenpferd" - Übersetzungen in Mundart - nutzt.

Der ,,Experte" der PC-Freunde ist Peter Radock aus Viersen, mit 82 Jahren auch zugleich ältestes Mitglied. Er "surft" mit Begeisterung durchs Intemet und hält per E-Mail-Adresse Kontakt zu seinen Kindern, die in der ganzen Welt verstreut leben. Dafür stehe er sogar nachts um 3 Uhr auf, aber das Ganze sei ja mittlenveile schon ein "alter Hut". Mit Vorliebe beschäftigt er sich daher auch noch mit Programmen, die lemfähig sind, ,,artificial logic" genannt, oderspielt mit seinem PC vierhändig Klavier. Die Aufgaben eines Archivars erledigt die EDV fur Konrad Achtert, Geschäftsführer der Philatelisten Kaldenkirchen, ebenso für Dieter Alten, der den Computer fur seine Münzsammlung nutzt. Weiterhin gehören den PC-Freunden noch Herbert Ackermann, Willy Bours, Ench Kamps,Toni Pollen, Hans Harmes, Erich Backes und Hermann Lantermann an. Trotz soviel ,,geballter Männlichkeit" sind bei den Herren auch weibliche PC-Freaks im Seniorenalter willkommen, ebenso "Anfänger", die sich erst noch im Umgang mit der Computertechnik vertraut machen wollen. Hermann Lantermann: ,,Der oder die bekommt von uns die beste Anlage zusammengestellt, die man je gesehen hat." Das nächste Treffen findet übrigens wieder am 20. Mai statt, diesmal im Pfarrheim von St. Sebastian Lobberich. sf



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